Bei schönstem Wetter und in bester Stimmung trafen wir uns am Freitagmorgen am Bahnhof in Zweisimmen. Die Zugfahrt nach Kandersteg war kurzweilig und verging im nun. Als wir bei der Talstation der Oeschinenbahn ankamen, staunten wir nicht schlecht, welch Exoten wir doch sind, mit so komischen Utensilien wie Pickel, Seil und Bergschuhen sind wir hier fehl am Platz…am Oeschinensee sind moderne Sportbekleidung, Snickers und Selfiesticks angesagt. Aber schon auf dem Höhenweg über den Oeschischafberg sah man schnell, welches Schuhwerk für die schöne Bergwelt rund um den Oeschinensee besser geeignet ist. Es ging nicht lange und wir liessen diese doch etwas skurrile Influencer-Welt hinter uns. Nach einer rund vier stündigen Wanderung erreichten wir die Blümlisalphütte. Die Pause war nur von kurzer Dauer, wollte uns doch Bergführer Florian unter die Lupe nehmen. Am nahen Klettergarten und auf dem Gletscher wurden verschieden Bergsteiger-Techniken angeschaut, so dass wir besten gewappnet für den nächsten Tag, zum wohlverdienten Nachtessen in die Hütte zurückkehren konnten. Den ganzen Tag durch kam immer wieder das Wetter vom kommenden Tag zur Sprache. Nach dem Nachtessen erläuterte Florian uns seine Absichten: das Wetter am nächsten Vormittag ist leider zu ungewiss, um mit gutem Gefühl das Blümlisalphorn in Angriff nehmen zu können. Dieser Entscheid überrascht niemand wirklich stark und stiess bei allen Teilnehmer auf Verständnis. Anstelle der geplanten Tour wird die «Wilde Frau» unser Ziel von Morgen sein. Da unsere Tour nun etwas weniger streng ausfallen dürfte und wir noch rund zwei Stunden mehr schlaf bekommen würden, wurde kurzerhand beschlossen, eine schöne Flasche mit der Aufschrift «Spiezer» zu öffnen. Es wurde noch viel erzählt, gelacht und in bester Stimmung gingen wir zu Bett. Am nächsten Tag starten wir um 06:30, bald war der Zustieg hinter uns gebracht und es durfte angeseilt werden. In schöner aber gar nicht so einfacher Kletterei erreicht wir den Gipfel der Wilden Frau. Der Gipfelrast war herrlich und wir liessen uns Zeit. Auf dem gleichem Weg zurück konnten wir von Florian noch verschiedene Abseiltechniken erlernen, unser Bergführer wurde so oder so den ganzen Tag mit Fragen zu allerlei Bergsteiger-Techniken durchlöchert, jede/r wollte die Chance nützen, wenn schon mal ein so kompetenter und sympathischer Bergführer mit von der Partie ist, an dieser Stelle ein herzlichen Dankeschön an Florian. Auf der anschliessenden Runde um den Stock konnten wir die schöne Gletscherwelt bewundern. Kurz vor dem Mittag waren wir zurück bei der Hütte. Der Mittagrast viel nicht allzu lange aus, da die dunklen Wolken am Horizont doch anzeigten, dass der Wetterbericht nicht total falsch lag. Schnell wurde alles zusammengepackt und in zügigem Schritt wurde der Abstieg in Angriff genommen. Einen kurzen Regenschauer bekamen wir ab, aber wir hatten Glück, das Gewitter war an uns vorbei gezogen. Noch einmal durften wir den Rummel rund um den Oeschinensee miterleben, mach eine/r wurde wohl vom Wetter überrascht, nicht mehr alles sah so perfekt und durchgestylt aus… Mit müden Beinen aber überglücklich traten wir die Heimreise an.
